Der nächste Tag begann erwartungsgemäß etwas später. Heute durften wir uns allein im Bad fertig machen, sogar ein weiterer Einlauf blieb uns erspart. Als wir gemeinsam aus dem Bad kamen, lag unsere Kleidung schon auf dem Bett bereit. Auf meiner Seite ein hellblaues wadenlanges Petticoatkleid und für Micha das gleiche Kleid, jedoch in einem etwas dunkleren Blau. Kurze weite Puffärmel, die auffällig weit abstanden und breite weiße Rüschen am Rocksaum, an den Enden der Puffärmel und V-förmig von den Schultern bis zum Bund des Rockes gaben den Kleidern ein außergewöhnlich süßes Erscheinungsbild.
Ich freute mich darüber, wieder einmal im Partnerlook mit meiner Micha auftreten zu dürfen. So machte mir das Ganze gleich doppelt soviel Spaß. An einem anderen Ort wäre mir das Kleidchen natürlich extrem peinlich gewesen, aber hier an Bord zählte es fast noch zu den unauffälligeren Kreationen.
Ich brauche sicherlich nicht zu betonen, dass natürlich alle Kleidungsstücke bis auf die Petticoats wieder aus Latex bestanden. Zuerst kam das obligatorische Korsett an die Reihe. Unsere beiden ‚ Kammerzofen‘ schnürten uns ganz normal, ohne dass wir wieder vollkommen hilflos an dem speziellen Gestell des Himmelbetts hängen mussten.
Hautfarbene Strapsstrümpfe wurden an den Korsetts befestigt und bedeckten unsere Beine mit faltenlosem glänzendem Latex. Darüber wurde uns ein weißer Slip mit halb oberschenkellangen Beinen angezogen, von denen die Ansätze der Strümpfe überdeckt wurden. Erstaunlicherweise folgten nun schon die weißen oberarmlangen Handschuhe, die mit elastischen Bändern seitlich am oberen Ende den Korsetts befestigt wurden. Damit waren sie gegen Herabrutschen gesichert, wie ich glaubte. Später würde ich merken, dass dadurch vor allem ein eigenmächtiges Ausziehen der Handschuhe verhindert werden sollte.
Zeitgleich bekamen wir auch noch die Petticoats angezogen. Dann ging es einzeln weiter, weil sich der Reißverschluss der sehr engen Kleider nur zu zweit schließen ließ.
Zu guter Letzt kamen die Schuhe dran, schwarze Lacklederpumps mit 12 Zentimeter Stilettoabsätzen. Ich mochte diese Absatzhöhe immer noch nicht besonders, aber so oft, wie ich sie in letzter tragen musste, schienen sie sich zum neuen Standard zu entwickeln. Hoffentlich wurden die nicht irgendwann noch höher.
Aber wie das so mit der Hoffnung ist… ! Der Aufenthalt bei meinen ‚Patentante' Katharina würde mir zeigen, was an Absatzhöhe so alles möglich war.
Dann war Micha an der Reihe.
Als ich aus dem Bad kam und die beiden glänzenden Kleidchen auf dem Bett liegen sah, stellt ich mir sofort vor, wie süß Alex damit aussehen würde. Dass ich das gleiche kitschige Kleid ebenfalls anziehen sollte, erfüllte mich mit zwiespältigen Gefühlen. Für mich selbst bevorzugte ich elegantere Kleider. An Alex mochte ich diese gerüschten Kleidchen jedoch sehr. Er hatte immer so einen süßen Gesichtsausdruck, wenn er derart peinliche Kleider anziehen musste. Ich glaube der Zwang machte den besonderen Reiz für ihn aus und diese spezielle Art der Aufmerksamkeit, die er mit solcher Kleidung erregte, verursachte immer noch Schwärme von sehr unruhigen Schmetterlingen in seinem Bauch.
Ich sah mich eher in der Rolle der souveränen Freundin an seiner Seite. Die selbstsichere Ausstrahlung würde mir in diesem Kleid jedoch ausgesprochen schwer fallen. Aber heute hatte ICH keine Wahl. Die sogenannten Kammerzofen hatten uns gestern sehr eindrücklich bewiesen, dass wir besser ihren Anordnungen Folge leisteten. Ich hatte absolut keine Lust den Vormittag gefesselt und geknebelt zu verbringen, wie Nancy und David gestern. Also machte ich gute Mine zum bösen Spiel und ließ mich widerstandslos in das enge Latexkleid zwängen.
Unsere Freunde warteten auf dem Sonnendeck auf uns. Noch war ich froh, dass ich so schön in mehrere Lagen Latex eingepackt war, denn der Fahrtwind war doch recht kühl. Aber das Korsett und die vielen Petticoats unter dem Kleid, aber auch die Puffärmelchen isolierten mich gut gegen den kalten Wind.
Als wir uns zur Begrüßung umarmten, fiel mir auf, dass meine Handschuhe erheblich steifer waren als die von gestern Abend. Wir alle trugen die gleichen weißen Handschuhe, die unter den Ärmeln der jeweiligen Oberteile verschwanden. Die Frauen trugen üppig verzierte Kleider, Nancy, Micha und ich in der mädchenhaft kitschigen Version. Matha, Jessica und Chris waren in die nicht weniger auffällige Frauenversion gekleidet, die statt der Rüschen aufgeklebte Spitzenapplikationen aufwies.
Die Männer musterten uns begeistert, obwohl ich mich in deren Kleidung noch unwohler gefühlt hätte. Sie steckten in Korsetts, die sich unter den Latexbodys mit ellenbogenlangen Ärmeln und Hosenbeinen, die bis zur Mitte ihrer Oberschenkel gingen, deutlich abzeichneten. Im Schritt saßen die Bodys faltenfrei eng. Als Mann ohne einen alles verbergenden KG wäre mir das sehr unangenehm gewesen und in meiner Rolle als Frau hätte ich mich wegen meiner zur Schau gestellten Vagina entschieden geweigert, so in die Öffentlichkeit zu gehen. Auch hier an Bord wäre mir das zu viel gewesen und ich hätte von meinem Vetorecht Gebrauch gemacht.
Sven, Björn und David, die drei mit den angeklebten KGs, waren ja bereits daran gewöhnt, dass da bei ihnen nichts zu sehen war. Aber John und Alexander blickten immer wieder prüfend in ihren Schritt, denn sie trugen augenscheinlich noch immer die neuen C-String-KGs, die sich deutlich erkennbar unter der engen, dünnen Latexschicht abzeichneten.
Ihre Füße steckten in Stiefeletten mit ebenfalls 12 Zentimeter hohen spitzen Absätzen. Die Beine wurden wie bei uns von hautfarbenen Latexstrümpfen bedeckt, die unter den Beinen der Bodys verschwanden. Durch das dünne Material konnte man deutlich die Klipse der Strapse erkennen, die sie mit den Korsetts verbanden. Darum war ich richtiggehend froh, dass ich so ein aufwendiges Kleid trug. Unter den vielen Petticoats war von meiner Unterwäsche zum Glück nichts zu erkennen.
Dann begaben wir uns in den Speisesaal. Entgegen meiner Befürchtungen kam ich trotz der Latexhandschuhe gut klar. Ich musste mich nur etwas stärker darauf konzentrieren das Besteck zu halten oder den Henkel einen Tasse zu greifen. Die enge Gummischicht auf meinen Händen wir einfach zu ungewohnt.
Beim Frühstück saß ich zwischen John und Sven und wir unterhielten uns sehr angeregt. Es war ein klassisches Männergespräch über schnelle Autos. Da Sven ja eine auffällige Viper fuhr, wusste ich, dass er sich sehr für schicke Autos interessierte. Ich selbst kannte mich mit amerikanischen Autos nicht ganz so gut aus. Nun ja, ich fuhr ja auch ein einfaches deutsches Modell, dass ich von meiner Mutter geerbt hatte. Aber John kannte sich bestens mit Autos und Motorrädern aus den USA aus.
Wir waren so in unser Gespräch vertieft, dass wir gar nicht bemerkten, dass die anderen schon raus aufs Sonnendeck gegangen waren. Es fiel uns erst auf, als Björn von außen an die Scheibe klopfte und uns zu sich winkte. Sven erklärte, dass sie etwas geschäftliches mit mir besprechen wollten. Daraufhin verabschiedete sich John in Richtung Kraftraum, um etwas für seine Figur zu tun, wie er sagte. Wäre er mal lieber mit raus gekommen, vielleicht hätte er bei den Frauen das Unheil für mich noch verhindern können. Aber so würde das Schicksal ungehindert seinen Lauf nehmen und ich war auch noch selbst Schuld daran.
Gerade als wir durch die Tür aufs Deck traten, kamen Jessica und Micha auf uns zu.
„Wir müssen unbedingt mit dir reden!", forderte Jessica mich ohne Umschweife auf.
Da ich absolut keine Lust hatte in meinem hart verdienten Urlaub schon wieder über meine Erziehung oder womöglich die Kleiderordnung zu reden, lehnte ich einfach ab. „Du musst dich bitte hinten anstellen, erst wollen Björn und Sven noch etwas geschäftliches mit mir besprechen."
Als Micha und Jessica sahen, dass auch Chris und Fürst Alexander am Tisch saßen, wollten sie uns begleiten. Nach unseren Männergespräch vorhin wollte ich das Gespräch aber lieber ohne die übereifrige Jessica führen. Also versuchte ich sie so freundlich wie möglich abzuwimmeln. Bei Micha genügte ein Blick und ein leichtes Kopfschütteln. Lächelnd trat sie einen Schritt zurück, sie hatte mich auch ohne Worte verstanden. Sie gönnte mir meine Unabhängigkeit, vor allem da sie ja sogar im Rahmen unseres Freundeskreises stattfand.
Aber bei Jessica musste ich leider etwas deutlicher werden. „Es wird dabei nur um meine geschäftliche Beziehung mit meinen Freunden gehen und nicht um Erziehungsangelegenheiten, deshalb möchte ich das bitte auch alleine besprechen“, sagte in einem vorsichtigen Tonfall.
Daraufhin lächelte mich Jessica vielsagend an. „Dann werden wir uns eben später mit dir besprechen“, und sie ging mit Micha davon.
Ich hatte keine Ahnung, warum sie so sibyllisch* gelächelt hatte? Vielleicht weil ihr Mann dabei war, was mich insgeheim schon ein wenig verwunderte. Schließlich hatte ich meinen adeligen Namensvetter erst vorgestern kennengelernt. Egal, ich hatte mein Ziel erreicht und begab mich alleine zu meinen vier Gesprächspartnern.
(*Sybillisch: Rätselhaft, geheimnisvoll oder wahrsagerisch, ist von den antiken prophetischen Frauen der griechischen Sagen, den Sibyllen, abgeleitet. Wir waren schließlich auf dem Weg und nach Griechenland.)
Kaum saß ich, erschien ein Mitglied der Service-Crew und fragte nach meinem Getränkewunsch. Ich bestellte eine Saftschorle, da ich gerade jetzt keinen Kaffee oder Alkohol trinken wollte. Auch wenn es sich um ein Gespräch mit meinen Freunden handelte, war ich doch ziemlich aufgeregt. Schließlich hatte ich in der Vergangenheit bereits das Stellenangebot von Sven abgelehnt, weil ich keine Arbeitsstelle als Frau annehmen wollte.
Nur weil mir das Urteil nach dem Fest der Herzogin keine Wahl ließ, arbeitete ich trotzdem in meiner Rolle als Frau mit Jean-Perri zusammen, das aber auf Stunden- und Provisionsbasis, ohne einen festen Arbeitsvertrag. Für Chris und Björn hatte ich nur Freundschaftsdienste geleistet, ohne Geld dafür zu verlangen. Ihre Geldgeschenke hatte ich jedoch angenommen, da ich eine gewisse finanzielle Unabhängigkeit für meinen Einsatz gegen Judith sehr gut gebrauchen konnte. Geschäftliche Abmachungen bestanden jedoch nicht zwischen uns.
Ich war sehr gespannt, was mir die vier wohl vorschlagen würden, hoffentlich keinen Vertrag, der mich zwingen würde, quasi unbefristet als Frau zu leben. Meine Ahnungen würden sich gleich bewahrheiten, jedoch ganz anders als ich befürchtet hatte. Aber was hatte der Fürst in dieser Runde verloren? Mit ihm hatte ich geschäftlich definitiv noch nichts zu tun gehabt.
Zu Beginn bedankte sich Björn nochmals für die Abwehr des Hackerangriffs und Chris für das Einrichten ihres Online-Shops. Sven gab ein großes Lob von Jean-Perri an mich weiter und pries die mit meiner Mithilfe entstandene neue Kollektion in den höchsten Tönen. Dann drucksten sie etwas herum, dass sie mich gerne gemeinsam einstellen würden, damit ich nicht nur von einem Arbeitgeber abhängig wäre und so weiter.
Innerlich lächelnd ließ ich sie erst mal reden, bis ihnen die Argumente ausgingen. Dann sahen mich die drei erwartungsvoll an.
Jetzt stand mir die schwierige Aufgabe bevor, ihnen meine Meinung zu ihrem Angebot beizubringen, also begann ich vorsichtig. „Vielen Dank, dass ihr so begeistert von dem seid, was ich für euch getan habe. Das war jedoch aus Freundschaft und nicht wegen des Geldes. Nur für meine Arbeit als Jean-Perris ‚Muse‘ habe ich mit Sven eine Bezahlung vereinbart. Zuerst wollte ich ja als Mann mit Emanuel zusammenarbeiten. Aber weil ich nach dem Urteil auf dem Fest der Herzogin bis auf weiteres als Frau erzogen werden soll, mache ich das doch in meiner Rolle als Frau.“
„Und genau deshalb ist der liebe Jean-Perri ja so begeistert von der Zusammenarbeit mit dir. Als DER Alex weißt du, was Männern gefällt und in deiner Frauenrolle als Isabella kannst du ihm erklären, was Frauen gerne tragen würden und deshalb würde ich dich gerne als Alexandria Isabella einstellen.“
„Aber genau das ist ja das Problem an der ganzen Sache. Du brauchst mich in meiner Frauenrolle und Jean-Perri genauso. Den KG von Björns Hightech-Schmiede könnte ich auch als Mann präsentieren, aber was ist mit den Brüsten?“
Björn wollte etwas erwidern, doch ich hob meine Hand und sprach weiter: „Bei Chris ist es etwas anders, wobei ich glaube, dass ich in Männerjeans und Hoodie der Exot in deinem Team sein würde.“
Chris musste grinsen und setzte noch einen oben drauf. „Nicht nur das, eigentlich brauche ich dich auch als Model für die Modelinien meiner beiden neuen Designerinnen! Du hast sie mir schließlich vermittelt.“
Wir mussten alle grinsen.
Die drei ahnten wohl, dass ich ihre Angebote ablehnen wollte und versuchten mich wortreich von den Vorzügen einer Anstellung bei ihnen zu überzeugen. Aus Freundschaft hörte ich ihnen geduldig zu. Außerdem konnte ich so das Gespräch mit Jessica weiter hinauszögern, weil ich darauf so gar keine Lust hatte.
Fürst Alexander wirkte leicht amüsiert, sagte bis jetzt jedoch noch nichts. Er wirkte aber auf mich so, als wenn er nur noch auf den passenden Augenblick wartete.
Wir diskutierten noch eine ganze Weile, weil ich mich noch nicht durchringen konnte, sie mit meiner Ablehnung zu enttäuschen. Die drei priesen die Vorteile einer Anstellung bei ihnen nochmals in den höchsten Tönen an, und ich stellte lustig kritische Fragen, um meine Ablehnung vorzubereiten.
Irgendwann kam ich um eine eindeutige Antwort nicht mehr herum. „Egal, was ihr noch sagt, ich mache das alles aus Freundschaft zu euch und die möchte ich nicht durch einen Vertrag mit euch dreien belasten. Außerdem befürchte ich, dass ihr doch noch mit allen möglichen Tricks versuchen werdet, mich zum Tragen von Frauenkleidung auch nach Ablauf meiner ‚Strafe ‚zu verpflichten.“
„Das würden wir niemals tun!“, sagte Sven in sehr überzeugendem Tonfall. Aber weil ich ihn so gut kannte, fiel mir das verräterische Zucken in seinen Augenwinkeln auf.
„Ich traue euch zu, dass ihr plötzlich irgendwelche Bekleidungsvorschriften für eure Mitarbeiter einführt und dann sitze ich in der Falle. Ich bleibe bei meinem Nein.“
Weil sie mir für meine Freundschaftsdienste jedoch unbedingt etwas bezahlen wollten, einigten wir uns auf eine Bezahlung auf Provisionsbasis und ich versprach auch weiterhin für sie zu arbeiten. Für die Zahlungen sollte ein neues Konto angelegt werden, das von Björn verwaltet würde. Auf diese Art und Weise hatte doch jeder sein gewünschtes Ziel fast erreicht und alle waren zufrieden.
Ich hatte gar keine Vorstellung, um welche Beträge es sich dabei handeln würde und wie stark sich das Geld durch Björns aktive Verwaltung vermehren würde. Ich hatte ihm einfach freie Hand gegeben, als er etwas von einer Software zum Anlegen des Geldes erwähnte. So brauchte ich mich nicht selbst darum zu kümmern und Steuern fielen erst bei Auszahlungen an.
Dann meldete sich der Fürst zu Wort. Bis jetzt wusste immer noch nicht, welchen Beruf er ausübte. Nun erfuhr ich es endlich. Die Verwaltung des riesigen Vermögens derer ‚von Stein' lag in den Händen von Jessica, so dass Alexander sich einem ganz anderen Aufgabenfeld widmen konnte, in dem er sehr erfolgreich war. Er war bereits seit mehreren Legislaturperioden Abgeordneter im Europaparlament und vertrat seine Partei in vielen Wirtschafts- und Umweltausschüssen. In seinem Wahlkreis hatte er in der Vergangenheit immer das Direktmandat errungen, da sich die Fürstenfamilie durch ihr großes soziales und wirtschaftliches Engagement sehr großer Beliebtheit erfreute.
Auch wenn er ebenfalls zu den Gründungsmitgliedern gehörte, war er in den letzten Jahren im Zirkel aus taktischen Gründen nicht mehr in Erscheinung getreten.
Im neuen Jahr würde ich mir genau diese Tatsache zunutze machen.
Nur im engsten Freundeskreis war er noch dabei und ich freute mich, dass auch ich dazu gehörte, denn er war mir sehr sympathisch. Aufgrund seines Verhaltens mir gegenüber war ich mir sehr sicher, dass das auf Gegenseitigkeit beruhte. In den beiden vergangenen Tagen hatten wir viel zusammen gelacht. Nancy war ihm da in vielerlei Hinsicht sehr ähnlich.
„Deine Idee mit der Flussrenaturierung und deine Vorschläge zur Durchführung des Projekts haben in den entsprechenden Fachgremien der EU einiges an Aufmerksamkeit erregt und großen Anklang gefunden,“ begann er.
Ich lächelte etwas verlegen, vor anderen so überschwänglich gelobt zu werden, war ich nicht gewohnt. Vor allem, da meine Freunde auch noch alle zustimmend nickten.
„Deshalb freue ich mich, dir ein überaus interessantes Angebot des Europäischen Parlaments unterbreiten zu können,“ fuhr er in Politikermanier fort.
Meine Spannung stieg und die von Chris, Björn und Sven auch, schließlich hatte ich deren Angebote alle abgelehnt. Unruhig rutschte ich auf meinem Stuhl hin und her, was durch das Latex gar nicht so einfach war. Durch diese unbewusste Anstrengung wurde mir immer wärmer.
„Wir benötigen dringend einen Berater vor Ort und mit deinen unkonventionellen Ideen bist du unseren Ansicht nach prädestiniert dafür. Es wäre kein Vollzeitjob. Deine Arbeit würde aus der Betreuung der Internetpräsenz des Projekts und der Beratung im Rahmen von Problemlösungen bestehen. Die Bezahlung würde nach der europäischen Besoldungsrichtlinie erfolgen.“ Er schaute mich erwartungsvoll an.
„Das Angebot klingt interessant,“ versuchte ich mich an einer Politikerantwort. Aber dann kam ich doch sofort auf der Punkt. „Wie du ja weißt, unterliege ich zur Zeit besonderen Kleidungsvorschriften, die mich zwingen bis auf weiteres in der Rolle als Frau zu Leben. Deshalb bin ich mir nicht sicher, ob ich dein Angebot annehmen kann?“
„Das wird gar kein Problem sein, denn die EU hat sich die Diversität sozusagen auf die Fahne geschrieben. Was meinst du, wer da alles gerade von den kleineren Parteien als Abgeordnete:r rumläuft und erst die Mitarbeiter:innen.“
Ich musste lächeln, als er ohne Unterbrechung seines Redeflusses die Genderversionen in seinen Satz einbaute.
„Es ist vollkommen egal, ob du in Frauen- oder in Männerkleidung zur Arbeit kommst, wobei du die meiste Zeit im Homeoffice arbeiten kannst. Wenn du willst, kannst du natürlich auch in Brüssel vorbeischauen“, beendete er seine Antwort.
So langsam wurde mir heiß. Die Jobangebote wurden immer verrückter und das Angebot des Fürsten passte eigentlich perfekt zu meinen inneren Sehnsüchten. Wenn ich es annahm, bestand aber auch die große Gefahr, dass mich Jessica zwang, als Frau an öffentlichen Terminen teilzunehmen, denn die Aussage ihres Mannes stellte das sozusagen als Normalität für Angestellte der EU dar. Bei diesen Gedanken wurde mir von innen her noch heißer, weil ich mir auch nach den Monaten in meiner Rolle als Frau noch nicht klar war, ob ich das auch wirklich wollte, obwohl ich das Ganze ja auch irgendwie genoss.
Während ich innerlich mit mir rang, schaute mich die Runde erwartungsvoll an. Björn streckte mir zustimmend seine geballten Hände mit Daumen nach oben entgegen und Chris lächelte mich auffordernd an. Ich saß jedoch immer noch wie versteinert am Tisch, beide Hände flach auf die Tischplatte gelegt. Schließlich legte der mitfühlende Sven seine Hand auf meine und nickte mir aufmunternd zu.
Endlich fasste ich mir ein Herz. „ Also gut, du hast mich überzeugt. Ich mache es. Wann soll ich anfangen?“, fügte ich übertrieben munter noch hinzu.
Alexander bremste meinen aufschäumenden Optimismus. „So schnell malen die Mühlen der Bürokratie nicht und erst recht nicht die der Europäischen Union. Ich gehe davon aus, dass sich dieser Vorgang bis ins neue Jahr ziehen wird. Ich werde dich dann mit dem unterschriftsreifen Vertrag aufsuchen.“
Ich war etwas enttäuscht, dass es noch nicht sofort losging, schließlich war ich schon so viele Monate arbeitslos. Eine gewisse Erleichterung schwang aber auch mit, denn so lange ich noch nichts unterschrieben hatte, konnte ich mich jederzeit noch anders entscheiden. Meine Gefühle lagen im Widerstreit und mir wurde immer wärmer. Die luftdichte Verpackung meines Körpers durch die Latexkleidung verstärkte das Gefühl der Hitze noch und ich hielt es kaum noch aus.
Nach dem für alle Beteiligten doch noch positivem Abschluss orderte Björn 2 Flaschen Champagner und wir stießen mit klingenden Gläsern öfter an, als für mich gut war. Mittlerweile schien die Sonne immer stärker auf unseren Tisch und auch den anderen sah ich an, dass ihnen immer wärmer wurde. Wir Männer zupften alle an den ungewohnten Latexhandschuhen, aber durch die Befestigung an den Korsetts hatten wir keine Chance sie auszuziehen. Also blieb uns nichts anders übrig, als die Hitze zu ertragen.
Nur Chris schien keine Probleme zu haben, den sie saß unter dem einzigen Sonnenschirm, den ihr ein Mitglied ihrer Service-Crew aufgestellt hatte. Ich beneidete sie um diesen Luxus. Beziehungen musste man haben, in diesem Fall zum Dienstpersonal. Dass ich mir in letzter Zeit selbst ein Netzwerk überaus hilfreicher Beziehungen und Freunde aufgebaut oder reaktiviert hatte, kam mir noch gar nicht zum Bewusstsein.
Egal, mir wurde es jetzt einfach zu heiß in meinem mehrlagigen Latexdress. Zum Glück oder auch zu meinem Unglück kam in diesem Augenblick Micha vorbei, der es auf dem Sonnendeck ebenfalls zu heiß geworden war. Denn dadurch konnte das spätere Unglück ungehindert seinen Lauf nehmen, das mich für eine lange Zeit aus dem Verkehr ziehen würde. Hier an Bord hätte ich vielleicht noch Einfluss nehmen können, aber diese Möglichkeit würde ich mir selbst verbauen.
Fortsetzung folgt...